Verkehr

Verkehrswende?

Bremen möchte seine hohe Lebensqualität erhalten und verbessern – unter anderem mit einer Verkehrswende. Die Stadt hat dafür einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 beschlossen, der ein nachhaltiges Konzept für die nächsten Jahre vorgibt. Die folgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten Maßnahmen in den Bereichen Parken und Straßenraum sowie die politischen Hintergründe.

Weniger Autos, mehr Lebensqualität

Bremer Politik und Verbände sind sich einig: Die Zahl der Autos muss runter. Das Ziel der Grünen ist eine autofreie Innenstadt bis 2030, während die Linke den Rückbau von Autoinfrastruktur fordert, um öffentlichen Raum für Grünflächen und breitere Gehwege zu gewinnen. Auch die SPD befürwortet eine Umgestaltung des öffentlichen Raums, die die Teilhabe aller und die Verkehrssicherheit in den Fokus rückt.

Die Beweggründe: Autoverkehr in der Stadt belastet das Klima und führt zu einer ungerechten Verteilung des öffentlichen Raumes. Weniger Autos bedeuten sauberere Luft, weniger Lärm, mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer, Bäume, Spielplätze und Straßencafés – kurz: eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.

Parken neu ordnen

Ein zentraler Hebel der Verkehrswende ist das Parkraummanagement. Der Parkdruck in den Wohnquartieren ist hoch, und es wird vielerorts verbotswidrig auf Gehwegen geparkt, was die Sicherheit von Fußgängern, insbesondere von Menschen mit Behinderungen, gefährdet und Rettungswege blockiert.

Bewohnerparkausweise sollen künftig 75 Euro pro Jahr kosten – eine deutliche Erhöhung gegenüber den bisherigen etwa 30 Euro. Der Senat hat zudem ein neues Parkkonzept auf Basis eines Vier-Stufen-Plans beschlossen, um das Parken in den Quartieren zu ordnen. Das Konzept sieht eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung vor, erste Testgebiete sind unter anderem in der Neustadt geplant, wo die neuen Regeln voraussichtlich ab Herbst 2026 greifen sollen. Zusätzlich sollen Car- und Bike-Sharing-Stationen das Angebot ergänzen.

Allerdings zeigen sich bei der Umsetzung erhebliche Schwierigkeiten. Umweltverbände wie der ADFC und BUND kritisieren, dass die Fortschreibung des VEP hinter den Erwartungen zurückbleibe und wichtige Maßnahmen durch politische Blockaden verzögert würden. Der Konflikt um die Höhe von Parkgebühren und das Bewohnerparken sei ungelöst, die Ziele für eine autofreie Innenstadt und ein modernes Parkraummanagement kämen kaum voran.

Umbau der Innenstadt: Mehr Platz für Fuß- und Radverkehr

Um die Innenstadt attraktiver zu machen, plant der Senat, den Kfz-Durchgangsverkehr schrittweise zu reduzieren. Konkrete Maßnahmen sind unter anderem der Umbau der Domsheide als barrierefreier Eingangsbereich und die autoarme Umgestaltung der Martinistraße. Ziel ist es, die trennende Wirkung der großen Straßen zwischen Innenstadt und Weser aufzuheben und bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger zu schaffen.

Gleichzeitig sollen Kfz-Flächen zurückgebaut werden, um die Aufenthalts- und Erlebnisqualität im innerstädtischen Bereich zu erhöhen. ADFC und BUND fordern eine konsequente Umverteilung des Straßenraums zugunsten des Umweltverbunds (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr). Diese Neuverteilung des öffentlichen Raums ist ein zentrales Element der Verkehrswende.

Zusammenfassung

Bremen hat sich auf den Weg gemacht, den Verkehr neu zu denken. Mit einer schrittweisen autofreien Innenstadt, einer Neuordnung des Parkens mit höheren Gebühren für Anwohner und einer Umverteilung des Straßenraums zugunsten von Fußgängern und Radfahrern sollen Lebensqualität, Klimaschutz und Verkehrssicherheit gesteigert werden. Allerdings hakt es bei der konkreten Umsetzung, und politische Konflikte bremsen den Prozess aus. Die Zukunft wird zeigen, ob die ehrgeizigen Ziele erreicht werden können.